18. November 2025

Dr. Paul Kowitz

Wohnen aus Sicht der Politik

Der neue EU-Wohnkommissar Dan Jørgensen soll Europa klimafreundlicher und bezahlbarer machen – doch seine Herausforderungen sind enorm. Ohne eigene Gesetzgebungskompetenz im Wohnungsbau und mit einer komplexen Abstimmungsstruktur in Brüssel steht er vor der Schwierigkeit, praktische Lösungen für steigende Mieten und stockenden Neubau zu finden. Es hängt also weiterhin an der Bundesregierung und den Kommunen, für ausreichend Wohnungen zu sorgen. Die gute Nachricht immerhin: Es gibt Ideen.

„Eigentum verpflichtet. Aber zuallererst verpflichtet es denjenigen, der keins hat, zu wohnen.“ Ein wenig ironisch beschreibt der Satz die Wohnsituation in Europa ziemlich treffend. Mieten steigen, Neubauten stocken – und nun soll ein neuer Akteur für frischen Wind sorgen: Dan Jørgensen, der frisch ernannte EU-Kommissar für Energie und Wohnen. Sein Auftrag: Europa klimafreundlicher und bezahlbarer zu machen – zumindest auf dem Papier. Doch Kommunen, die den Wohnungsmarkt aus nächster Nähe kennen, wissen: Zwischen ambitionierten Brüsseler Konzepten und dem realen Wohnungsmarkt liegen oft mehr Hindernisse als bezahlbare Baumgrundstücke.

Dabei könnte die Ausgangslage für Jørgensen schlechter nicht sein. Die EU hat keine Gesetzgebungskompetenz im Bereich des Wohnens oder der Baupolitik. Vor dem Hintergrund des Subsidiaritätsprinzips macht das auch Sinn. Schließlich soll die EU immer nur dann tätig werden, wenn die Mitgliedstaaten es selbst nicht besser können. Folglich hat die EU auch keine Erfahrung mit Förderprogrammen oder Bauvorschriften. Jørgensen selbst verfügt nicht einmal über eine eigene Generaldirektion, die häufig nicht weniger als 1.000 Mitarbeitende haben. Und so lange die mittelfristige Finanzplanung der EU nicht beschlossen ist, hat er auch kein Geld zum Verteilen.

Realistisch betrachtet wird sein Einfluss nicht im Wohnungsbaubereich, sondern eher in der energetischen Sanierung und der CO₂-Reduktion liegen. Genau dort hat er große Stolpersteine vor sich liegen. Denn erstmals in der Geschichte hat sich die EU-Kommission eine neue Arbeitsweise gegeben. In der neuen Matrixorganisation hat Jørgensen kein eigenständiges Mandat und muss sich ständig mit anderen Kommissaren abstimmen. Beispielsweise muss er tiefer in die Reform der EU-Gebäuderichtlinie gehen und sich mit dem für Klimaschutz zuständigen Vize-Exekutivpräsidenten Šefčovič und die Exekutiv-Vizepräsidentin Vestager abstimmen. Die komplexe Abstimmungsstruktur erschwert Entscheidungen erheblich.

Wohnen ist zu wichtig, um es allein der Politik zu überlassen.

So symbolbelastet die neue Personalie in Brüssel also sein dürfte, Wohnungsbaupolitik wird weiterhin die Domäne der Mitgliedstaaten und ihrer lokalen Akteure bleiben. Hier startet die neue Bundesregierung im Grunde mit denselben Fragestellungen wie ihre Vorgänger. Die Versuchung einer Regierung, am Ende der Verursacherketten anzusetzen und das Mietrecht zu regulieren, hat auch schon in der Vergangenheit nicht dazu geführt, dass eine zusätzliche Wohnungsnachfrage entsteht, dass eine Mietpreisbremse, die für eine sozial gerichtete Atempause sorgen sollte, während gleichzeitig gebaut wird, schlicht an ihre verfassungsrechtlichen Grenzen stößt.

Folglich muss der Fokus auf der Angebotsseite bleiben. Starre Wohnungsbauziele als politischer Bilanzierungsversuch sind ebenso wenig hilfreich, wie ein staatlicher Wohnungsbau, der genau dort entsteht, wo er nicht gebraucht wird. Um das zu erreichen, könnte man durch wieder mehr Anreize für den Bau schaffen. Im Zuge der Energiekreise wurde in Brüssel nämlich eine Notfallverordnung zur Ausweisung von Vorranggebieten. In solchen Gebieten sollten zum Aufstellen von regenerativen Erzeugungsanlagen nur vereinfachte Genehmigungsverfahren zum Tragen kommen. Zusätzlich stellte die Ampelregierung die Erneuerbaren Energien in ein „überragendes öffentliches Interesse“. Selbiges könnte man auch für den Wohnungsbau in angespannten Wohnungsmärkten tun, um Genehmigungen zügiger zu ermöglichen und die kommunalen Verwaltungen zu entlasten.

Die deutsche Wohnungspolitik gleicht einem Jonglierakt zwischen Klimaschutz, bezahlbarem Wohnraum und wirtschaftlicher Realität. Am Ende bleibt die Erkenntnis: Wohnen ist zu wichtig, um es allein der Politik zu überlassen. Vielleicht brauchen wir weniger Vorschriften und mehr Pragmatismus. Oder, um es mit einem alten Architektenwort zu sagen: „Man kann alles bauen, wenn man nur drüber.“

Standorte

Das DSK-Büro Hannover

Mit 19 Mitarbeitenden am Standort Hannover betreuen wir seit über 30 Jahren 80 Sanierungsmaßnahmen in Niedersachsen. 

Unser Team vereint Spezialisten aus Stadtplanung, Geografie, Architektur, Umwelt und Mobilität, Quartiersmanagement und Immobilien – für maßgeschneiderte Lösungen, die funktionieren.

Historischer Stadtplatz mit großem Baum in der Mitte, umgeben von gepflegter Rasenfläche und niedriger Einfassung. Im Hintergrund stehen mehrgeschossige, reich verzierte Altbauten mit roten Ziegeldächern und weißen Fassadendetails, während Autos am Rand parken.

Leistungen

Unser Büro leitet Projekte der Stadt- und Quartierentwicklung und setzt städtebauliche Dienstleistungen am Standort Hannover engagiert um. Wir beraten Kommunen, Eigentümer und weitere Akteure der Stadtentwicklung im Rahmen der Städtebauförderung umfassend und praxisnah. Dabei steuern wir Fördermittel und Finanzen gezielt, um die Umsetzung Ihrer Vorhaben effizient zu unterstützen. Gleichzeitig führen wir Bürgerbeteiligungsprozesse durch, um die Bevölkerung aktiv in die Entwicklung und Gestaltung ihres Lebensraums einzubinden. So schaffen wir gemeinsam zukunftsfähige, lebendige Quartiere und Städte.

Projekte

Die Vorteile eines Sanierungsträgers zeigen sich insbesondere in seiner Rolle als moderierende, vernetzende und fachlich flexible Instanz innerhalb komplexer Stadtentwicklungsprozesse. Durch seine Moderation und Neutralität kann der Sanierungsträger zwischen verschiedenen Interessen vermitteln und lösungsorientierte Abstimmungen begleiten. Seine Vernetzung und der Wissenstransfer ermöglichen den kontinuierlichen Austausch bewährter Verfahren und innovativer Ansätze zwischen unterschiedlichen Projekten und Kommunen. Darüber hinaus profitiert die Arbeit von der Einbindung in überregionale Netzwerke, die den Zugang zu fachlichem Know-how und aktuellen Entwicklungen der Städtebauförderung sichern. Dank flexibler fachlicher Ressourcen kann der Sanierungsträger auf die individuellen Anforderungen jeder Kommune passgenau reagieren.

Diese Vorteile spiegeln sich in einer Vielzahl von Projekten der DSK in Hannover wider – unter anderem in den Programmen:

  • Peine-Südstadt
  • Garbsen Berenbostel-Kronsberg/Auf der Horst
  • Eldagsen Innenstadt,
  • Emmerthal Zentrum,
  • Gronau Südliche Leineinseln
  • Lauenau Ortsmitte
  • Emmerthal/Aerzen,
  • Eschershausen-Stadtoldendorf,
  • Friedland,
  • Hankensbüttel
  • Lachendorf,
  • Samtgemeinde Mittelweser
  • Nörten-Hardenberg Süd
  • Rethem Zentrum
  • Hardegsen „Vor dem Tore“
  • Rinteln Historische Ortslage
  • Elze Innenstadt
  • Soltau „Sanierung der Soltauer Kernstadt“
  • Moringen Kernstadt

Kontakt

Bei Fragen sind wir gerne persönlich für Sie da

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Catharina Lippold

Gebietsleitung

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Telefon +49 511 53098-0
E-Mail catharina.lippold@dsk-gmbh.de

Standorte

Das DSK-Büro Berlin

Mit 35 Mitarbeitenden zählt der Standort Berlin zu den größten Büros der DSK. Vom Standort auf der Fischerinsel werden die Länder Berlin und Brandenburg betreut.

Unser Team vereint Spezialisten aus Stadtplanung, Geografie, Architektur, Landschaftsarchitektur, Baumanagement, Umwelt und Mobilität – für maßgeschneiderte Lösungen, die funktionieren.

DSK Büro Berlin: Heller Besprechungsraum mit großem rechteckigen Konferenztisch, umlaufend grauen Polsterstühlen, einer großen Stadtkarte an der Wand, einem Fernseher auf einem Sideboard und Regalen mit Büchern und Getränken im Hintergrund.

Leistungen & Projekte

Der Fokus im Büro Berlin liegt auf der Steuerung komplexer städtebaulicher Großprojekte und hier im Spektrum von der Vorbereitung (Machbarkeitsstudien, Voruntersuchungen), über die Betreuung von städtebaulichen Entwicklungsmaßnahmen und Projektsteuerungsmaßnahmen bis zur baulichen Umsetzung von Einzelprojekten (Bauherrenvertreter des Landes Berlin).

  • Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme „Hauptstadt Berlin – Parlaments- und Regierungsviertel“
  • Projektsteuerung Schumacher Quartier (Nachnutzung Flughafen Tegel)
  • Projektsteuerung Molkenmarkt
  • Freianlagen Humboldt-Forum
  • Abriss ehem. BND Gebäude an der Neumannsgasse
  • Flusstreppe 
  • Vorbereitende Untersuchung Blankenburger Süden
  • Projektsteuerung der Qualifizierung der Masterplanung Schönefeld Nord
  • Struktur- & Handlungskonzept für den Berliner Nordostraum

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Andreas Kniewel

Gebietsleiter / Mitglied der Geschäftsleitung

DSK-Büro Berlin/Brandenburg, Gertraudenstraße 20, 10178 Berlin
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