12. Februar 2026
Vom Quartier zur Konjunktur: Städtebauförderung wirkt weiter als gedacht
Die Städtebauförderung von Bund und Ländern entfaltet weitreichendere Effekte als bislang angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine bemerkenswerte Studie des Bundesverbands DIE STADTENTWICKLER. Die vom DIW Econ, einem Unternehmen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, durchgeführte Analyse untersucht, welche messbaren Auswirkungen zusätzliche Fördermittel auf Städte und Gemeinden haben – und zwar über die eigentlichen Bau- und Sanierungsprojekte hinaus.
Die Wissenschaftler nahmen drei zentrale Bereiche in den Blick: den Wohnungsmarkt, die Beschäftigungsentwicklung sowie Fragen sozialer und räumlicher Gerechtigkeit. Ihr Befund: Die Städtebauförderung erzeugt signifikante Effekte, die in dieser Form bislang nicht systematisch nachgewiesen waren. So zeigt die Analyse, dass Investitionen in Fördergebieten nicht nur die bauliche Substanz verbessern, sondern ganze Entwicklungsspiralen in Gang setzen. Jeder eingesetzte Euro löse zusätzliche positive Dynamiken aus. Konkret stößt eine Investition von 1 Mio. Euro pro Jahr im Durchschnitt sowohl 20,5 zusätzliche Sanierungsmaßnahmen pro Jahr für Wohnraum bundesweit als auch den Bau von 19,5 zusätzlichen neuen Wohnungen pro Jahr an. Diese „Förderdividende“ kommen Bewohnern ebenso zugute wie lokalen Betrieben und müssen künftig stärker als eigenständiger Faktor bei der Bewertung öffentlicher Ausgaben berücksichtigt werden.
Städtebauförderung stärkt das Gemeinwohl und die Demokratie
Gerade in Quartieren mit strukturellem Nachholbedarf – etwa bei Gebäudezustand, Sicherheit, Grünflächen oder Aufenthaltsqualität – sind sichtbare Verbesserungen im Wohnumfeld von großer Bedeutung. Sie stärken nicht nur die Attraktivität des Standorts, sondern auch das Vertrauen der Menschen in politische und staatliche Handlungsfähigkeit. Städtebauförderung, so ein weiteres zentrales Ergebnis, zahlt demnach nicht allein auf einzelne Projekte ein, sondern auf das Gemeinwohl insgesamt. Auch mit Blick auf den angespannten Wohnungsmarkt liefert die Studie neue Erkenntnisse. In geförderten Gebieten entstehen demnach mehr Sanierungen und Neubauten, zugleich sinkt der Leerstand. Diese Entwicklung sind unabhängig davon zu beobachten, ob Wohnungsbau selbst Teil der konkreten Fördermaßnahme ist. Die Programme wirken somit direkt und indirekt auf die Bereitstellung von Wohnraum. Angesichts der Wohnungsengpässe in vielen Städten Deutschlands erhält dieser Befund ein besonderes Gewicht.Städtebauförderung stärkt die lokale Wirtschaft
Darüber hinaus konnte die Studie nachweisen, dass die Städtebauförderung die lokale Wirtschaft stabilisiert. Die zusätzlichen Investitionen steigern die Nachfrage im Baugewerbe, im Handwerk und bei Dienstleistern. Vor allem in konjunkturell schwierigen Zeiten entfaltet dies eine wichtige Stabilisierungsfunktion für regionale Arbeitsmärkte, betonen die Autoren. Insgesamt knüpft die Untersuchung an frühere Analysen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) an, die bereits hohe Folgeinvestitionen und klimarelevante Effekte der Programme dokumentiert hatten. Die neue Studie erweitert diesen Blick nun um bislang weniger beleuchtete mittelbare Wirkungen. Ihr Fazit: Städtebauförderung ist nicht nur ein Instrument zur Aufwertung einzelner Quartiere, sondern ein strategischer Hebel für Investitionen, Beschäftigung und gesellschaftlichen Zusammenhalt.Hier können Sie die Studie und begleitende Dokumente herunterladen: